Willkommen!

Es ist wieder soweit. Bevor uns der schnöde Wortverbrauch alltäglicher Textverarbeiter die Sprache verschlägt und die sprachliche Inkontinenz die letzte Dichtung überflutet, kommen die Maulhelden der anderen Art. Zum dritten Mal finden sie sich aus aller Welt hier in Berlin ein und bilden ein originäres Parlament. Sprechspieler und Wort-a-holics aus unterschiedlichsten Richtungen und Sprachwelten zeigen wieder für einige Tage ihr Mundwerk und muntern uns auf. Der gewaltige Zuspruch durch Besucher und Künstler in den letzten beiden Jahren hat uns ermutigt, es diesmal wieder zu wagen. Für das Gelingen haben wir von vielen Seiten großzügige Unterstützung erfahren. Dafür sind wir dankbar. Das hat uns angespornt. Wir wünschen viel Freude!

Wie wir uns verstehen

Während der letzten beiden Festivals konnte man erfahren, dass Maulhelden grenzenlos genießbar sind.
Einmalig an jedem Kunststück ist die Mischung. Und stets ist etwas Bekanntes dabei. Das Damenduo Queen Bee ist beispielsweise weniger englisch, als es klingt und spricht deutsch. Der aus USA stammende Tscheche Ryan Mergen spricht englisch. Der britische Amazing Mr Smith drückt sich vorwiegend durch seine originellen Musikinstrumente aus. Was der in Deutschland lebende niederländische Spitzenflötist Jos Rinck einem Flötisten abgewinnt, ist ebenso zu verstehen. Die Österreicher Josef Hader und 4Xang verstehen wir fast ohne Untertitel.

Der türkischstämmige Serdar Semuncu liest auf deutsch Texte von Hitler, der Brite Pip Utton spielt Hitler in englischer Sprache. Der russischstämmige Wladimir Kaminer beschreibt in deutscher Sprache den Dschungel Prenzlauer Berg, der ebenfalls in Deutschland lebende Brite Mark Britton gießt schon seit Jahren klassischen britischen Humor in trockene deutsche Worte. Und der Kanadier Michael Wex spricht jiddisch. Der musikalische Schwede Carl-Einar Häckner zaubert mit allen Sprachen gleichzeitig. Die Italienerin Sofia Taliani singt sich durch die bekannte internationale Küche.
Es sind in diesem Jahr betont Stimmen aus den Ländern der ‚Koalition der Willigen‘ zu hören: aus den USA kommt Reverend Billy und seine Church of Stop Shopping, für die eigens hier ein Gospel-Chor engagiert wurde. Seine Botschaft ist nur allzu verständlich. Von der Britischen Inseln kommt Chris Lynam, der seinen Worten mit einer Ganzkörpersprache Ausdruck verleiht. Rebecca Carrington unterstreicht ihre Sätze begnadet mit dem Cello, das für sie spricht. Nur der polnische Vertreter – obwohl in Deutschland aufgewachsen – wendet sich bewusst an ein polnisch sprechendes Publikum: der unter anderem durch das polnische Pendant der ‚Lindenstraße‘ bekannt gewordene Wahl-Warschauer Steffen Möller erklärt den Polen deutsche Eigenarten.
Was nicht ohne weiteres verständlich ist, wird in der Regel mit einer Zusammenfassung oder mit Übersetzungen versehen.

Zum ersten Mal ist mit dem Iren Seán Ó Riain sogar die Kunstsprache Esperanto vertreten. Und zum ersten Mal haben wir auf vielfachen Wunsch ein Kultereignis des vorangegangenen Festivals wieder eingeladen – und das gleich zweimal: die beiden Crash-Künstler von Auto Auto besingen nicht nur den Opel Kadett E, sie machen ihn auch zu einem Mehrzweckinstrument, aus dem sie wirklich das Letzte heraus holen können. Das konnten wir nicht außen vor lassen. Wer die beiden erlebt hat, wird auch das verstehen!